Die Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, rückt erneut ins Rampenlicht der internationalen Filmwelt. Mit ihrer geheimnisvollen Atmosphäre und ihren eindrucksvollen Landschaften bildet sie die Kulisse für „Wild Horse Nine“, die neue schwarze Komödie mit Thriller-Elementen von Regisseur Martin McDonagh. Dabei dient die Insel nicht nur als Schauplatz, sondern wird selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Geschichte.
Der britisch-irische Regisseur Martin McDonagh ist für Filme bekannt, in denen bitterer Humor auf menschliche Abgründe trifft. Sein Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ wurde mit mehreren Golden Globes ausgezeichnet, unter anderem für das beste Drehbuch und als bestes Filmdrama. Auch bei den BAFTA Awards wurde McDonagh ausgezeichnet. Für seinen Kurzfilm „Six Shooter“ erhielt er 2005 einen Oscar.
Für sein neues Hollywoodprojekt hat McDonagh Chile gewählt – mit Santiago und Rapa Nui als zwei Schauplätzen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Berichten zufolge besuchte er die abgelegene Insel bereits vor mehr als zehn Jahren. Ihre Abgeschiedenheit und vor allem die gewaltigen Moai-Statuen ließen ihn seitdem nicht mehr los. Schon damals entstand die Idee, hier eine Geschichte anzusiedeln, in der die Umgebung selbst eine tragende Rolle spielt.
Spionage, Weltpolitik und die Frage nach dem eigenen Gewissen
Chile, 1973: Kurz vor dem Militärputsch gegen Präsident Salvador Allende werden die beiden erfahrenen CIA-Agenten Chris (John Malkovich) und Lee (Sam Rockwell) von Santiago auf die Osterinsel geschickt. Vor dem Hintergrund der politischen Spannungen in Südamerika setzt sich der Film mit ausländischer Einflussnahme, Loyalität und der Frage auseinander, was von einem Leben im Geheimdienst bleibt.
Auf Rapa Nui begegnen die beiden Agenten zwei jungen, rebellischen Studentinnen aus Chile. Zwischen den Figuren entwickelt sich eine ungewöhnliche Dynamik voller satirischer Momente. Die Sichtweise der amerikanischen Geheimdienstler trifft auf die Perspektive der jungen Frauen – und veranlasst Chris und Lee dazu, ihre eigenen Überzeugungen und Motive zu hinterfragen.
Zum Ensemble gehören auch die chilenischen Schauspielerinnen Mariana di Girolamo und Paola Gianini. Sie bringen eine lokale Perspektive in die Geschichte ein und setzen damit ihre Arbeit in internationalen Filmproduktionen fort.
Im Mittelpunkt steht somit nicht nur eine Spionagegeschichte, sondern auch die Rolle der USA in der chilenischen Politik. McDonagh nähert sich diesem schwierigen Kapitel der Geschichte mit seinem typischen schwarzen Humor. Dabei verbinden sich ernste politische Fragen mit absurden Begegnungen und eindrucksvollen Landschaften.
Rapa Nui: eine Insel wie für die Kinoleinwand gemacht
Was McDonagh bei seinem ersten Besuch an Rapa Nui faszinierte, blieb ihm über Jahre in Erinnerung: die offene, oft raue Landschaft, das Gefühl der Abgeschiedenheit und die monumentalen Moai. Mit „Wild Horse Nine“ konnte er diese Eindrücke schließlich filmisch aufgreifen.
Die Dreharbeiten begannen im Februar 2025. Schon die Entfernung von mehr als 3.700 Kilometern zum chilenischen Festland machte das Projekt zu einer logistischen Herausforderung. Besonders wichtig war dabei die Zusammenarbeit mit der indigenen Gemeinschaft Ma’u Henua, die den Nationalpark Rapa Nui verwaltet und schützt.
Während der mehr als drei Monate dauernden Filmproduktion waren Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinschaft vor Ort. Aufgrund der archäologischen Bedeutung vieler Drehorte begleiteten zudem Fachleute, darunter Archäologinnen und Archäologen, die Arbeiten. Ziel war es, die empfindlichen Stätten und das kulturelle Erbe der Insel zu bewahren. Der Nationalpark gehört seit 1995 zum UNESCO-Welterbe.
Zu den eindrucksvollsten Drehorten zählt Ahu Tongariki. Die große Zeremonialanlage mit ihren 15 aufgerichteten Moai ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Rapa Nuis. Besonders bei Sonnenaufgang bietet sie einen unvergesslichen Anblick: Die Steinfiguren stehen mit dem Rücken zum Meer und blicken über die Insel.
Gedreht wurde auch am Strand von Anakena. Sein heller Sand, das klare Wasser und die nahe gelegene Plattform Ahu Nau Nau mit ihren Steinfiguren machen ihn zu einem der bekanntesten Orte der Insel. Ein weiterer Schauplatz ist Rano Raraku: Am Hang dieses Vulkankraters wurden einst viele der Moai gefertigt. Noch heute befinden sich dort Hunderte Figuren in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien.
Auch Hanga Roa, der Hauptort Rapa Nuis, spielt eine Rolle. Hier lässt sich das alltägliche Inselleben nachvollziehen, das für die Handlung in den 1970er-Jahren von Bedeutung ist. Hinzu kommt Tahai, eine bedeutende archäologische Stätte mit langer Siedlungsgeschichte.
Nach Untersuchungen der Archäologen William Mulloy und Gonzalo Figueroa aus dem Jahr 1968 soll Tahai einst zwischen 75 und 200 Menschen beherbergt haben. Der Ort wird außerdem mit der Grabstätte des letzten Ariki Mau, des obersten traditionellen Herrschers der Rapa-Nui-Gemeinschaft, in Verbindung gebracht. Seine Bedeutung reicht daher weit über seinen beeindruckenden Anblick hinaus.
Abbildungen: Vulkan Rano Raraku und Ahu Tongariki. Quelle: Imagina Rapa Nui (2026), laut Originalvorlage für Werbezwecke
Neben der Insel wurden auch in Santiago Szenen gedreht. Zu sehen sind unter anderem die Plaza de Armas, das Teatro Municipal, der internationale Flughafen Arturo Merino Benítez und der traditionsreiche Club de Rayuela El Olivo. Die bekannte Gaststätte, die von manchen liebevoll „El Disney“ genannt wird, ist eng mit Rayuela verbunden, einem traditionellen chilenischen Wurfspiel. Die Drehorte geben dem Film zusätzliche lokale Farbe.
Ein Film, der auch Reisende neugierig macht
Der internationale Kinostart von „Wild Horse Nine“ ist laut der Vorlage für den 6. November 2026 vorgesehen. Bereits zuvor wurde der Film am 3. September bei den 83. Filmfestspielen von Venedig vorgestellt und erhielt dort große Aufmerksamkeit.
Der Vorlage zufolge erhielt McDonagh bei den Fanheart3 Awards den „Silver Ship“ -Preis für das Leinwandduo Chris und Lee; außerdem war „Wild Horse Nine“ für den Goldenen Löwen nominiert. John Malkovich soll für seine Rolle als Chris mit der Coppa Volpi als bester Schauspieler ausgezeichnet worden sein. Diese Preisangaben sollten vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft werden.
Unabhängig von den Filmpreisen bringt die Produktion die Landschaften Chiles einem internationalen Publikum näher. Drehorte können für Reisende einen ganz besonderen Reiz entfalten: Man möchte die Orte sehen, an denen eine Geschichte entstanden ist. Wie Neuseeland durch „Der Herr der Ringe“ oder zahlreiche US-amerikanische Städte durch bekannte Filme könnte auch Chile vom Interesse am Filmtourismus profitieren.
Abbildungen: Chilenische Anden (Expreso, 29. März 2023) und Stadtansicht von Santiago (Siglo XXI, 2026), gemäß Originalvorlage.
Chile bietet dafür beste Voraussetzungen: von den Anden über lebendige Städte bis zu den Landschaften Rapa Nuis, die sich mit kaum einem anderen Ort vergleichen lassen. Zugleich erhält das chilenische Filmschaffen neue internationale Aufmerksamkeit. In der Vorlage wird etwa über mögliche Oscar-Chancen für Mariana di Girolamo im Jahr 2027 spekuliert; eine bestätigte Nominierung ist das nicht.
„Wild Horse Nine“ verbindet eine ungewöhnliche Geschichte mit einem Schauplatz, der lange im Gedächtnis bleibt. Wer die Insel selbst besucht, erlebt allerdings noch viel mehr als eine Filmkulisse: die Geschichte und Kultur der Rapa-Nui-Gemeinschaft, eine besondere Natur und Orte von großer spiritueller und historischer Bedeutung.
Entdecken Sie Chile und erleben Sie selbst, was dieses Land ausmacht: seine eindrucksvollen Landschaften, seine Menschen und seine kulturelle Vielfalt. Vielleicht beginnt die nächste Reiseinspiration ja mit einem Kinobesuch.
















